Ein Lichtblick?

Ein Lichtblick?

Nun ist mein Arztbesuch in Osnabrück bereits eine Woche her und ich bin immer noch sprachlos! Das erste Mal seit meiner  Diagnose bin ich als Mensch mit Symptomen wahrgenommen worden!

Letzten Freitag fuhr ich mit meiner Freundin sehr aufgeregt Richtung Osnabrück. An Schlaf in der Nacht zuvor war kaum zu denken, denn ich war sehr nervös. Zu oft bin ich bereits in der Vergangenheit an Ärzte geraten, die nur auf reine Schilddrüsenwerte achteten und denen die weiteren Symptome egal waren.

Wir kamen sehr gut durch und waren nach ca. 1,5 mit knurrendem Magen und Kaffeeentzug beim Arzt. Nüchtern sollten wir sein….achja, meine Freundin hatte auch die Gunst der Stunde genutzt und einen Termin vereinbart. Geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid und schließlich gehen wir als Freundinnen durch dick und dünn, im wahrsten Sinne des Wortes!

Gegen jeglicher Vorstellung wirkt die Praxis weder pompös, hypermodern oder gar schick, sondern besticht eher durch alten Charme, Schlichtheit und Ruhe. Von Spezialisten war ich es eher gewohnt in hypermodernen, total stylisch eingerichteten Praxen mit aufgebrezelten Helferinnen und golfspielenden Ärzten zu sprechen.

Die Arzthelferinnen begrüßten uns mit einem Lächeln, waren sehr freundlich und baten uns im Wartezimmer platz zu nehmen.
Wir warteten ca. 45 Minuten und wurden dann ins Besprechungszimmer gerufen. In Empfang nahm uns ein älterer, schlanker Herr mit strahlendem Lächeln und gütigen Augen, die schon vieles gesehen und erlebt haben. Er hat ein sehr freundliches Wesen und wirkte von der ersten Minute interessiert.
Bevor das Gespräch jedoch begann, entschuldigte er sich, da er noch mal kurz hinaus musste. Als er wieder kam klingelte sein Privat-Handy und er entschuldigte sich erneut, jedoch müsse er dort rangehen, da eine große Tanne durch den Sturm auf seinem Haus liegt und er etwas kurz mit seiner Versicherung klären müsse. Als Beweis zeigte er noch ein Foto.
Ein ganz normaler Mensch mit normalen Problemen und normalem Verhalten.

Die Erfahrungen mit den anderen “Spezialisten” waren eher von oben herab, unterkühlt und auf Distanz wahrend und absoluter Desinteresse.

Ganz anders bei diesem Doktor. Er Platz und hörte sich alles ganz genau an, war bestürzt über den Leidensweg und noch bestürzter über das Verhalten seiner Kollegen in Hannover. Er kann es überhaupt nicht verstehen und glauben, dass diese so wenig darauf achten, wie es dem Patienten geht und keine weiteren Untersuchungen vornehmen bzw veranlassen. Ungläubiges Kopfschütteln immer wieder von seiner Seite.

Als ich meine Geschichte beendete, fing seine wirklich sehr große und umfangreiche Anamnese an. Er fragte sehr viel über den jetzigen Zustand ab und ich war erstaunt darüber, dass er sogar nach Symptomen fragte, die ich nie dazu geordnet hätte, wie zum Beispiel mein jahrelanges Wirbelknacken im Nacken.

Nachdem er seine Anamnese beendet hatte, begann die körperliche Untersuchung. Die Schilddrüse wurde genau untersucht, ebenso der Bauchbereich und Brust. Atmung und Herz wurden ebenfalls grob in Augenschein genommen.

Eine schnelle Diagnose erhielt ich direkt anhand meiner Werte, die ich vom vergangenen Jahr gesammelt und der Symptome, die ich genannt hatte. Danach ging es zur Blutabnahme. Zwölf Röhrchen Blut wurden mir entnommen, um alles zu kontrollieren und zu testen. Er fragte mich, ob ich noch drei weitere Tests machen möchte, diese könne ich mit nach Hause nehmen, jedoch würden diese Extra kosten. Ich stimmte zu, denn ich möchte gerne alles untersuchen was irgendwie möglich ist, um daran zu arbeiten.

Nach einer vollen Stunde Untersuchung, Besprechung und diversen Erklärungen, warum es mir so schlecht gehen könnte, verließ ich sein Besprechungszimmer, war mehr als geflasht und hätte vor Glück weinen können.
ENDLICH gibt es einen Arzt, der sich WIRKLICH die Mühe macht zu hinterfragen, nachzufragen und zu untersuchen.

Bei den Arzthelferinnen holte ich mir meine Testpakete für Jod, Cortisol und KPU für zu Hause ab und ebenfalls ein Rezept für Progesteron und Thybon. Progesteronmangel stellte er anhand der vielen Symptomen fest, die er abfragte. Thybon, damit mein FT3 endlich anzieht, da mein FT4 im oberen Bereich festsitzt und teilweise auch weiter steigt, während mein FT3 sich nicht großartig anziehen lässt, trotz massiver Zugabe von L-Thyroxin (Für die Spezies unter Euch 😉 )

In 1,5 Wochen habe ich mein persönliches Telefonat mit ihm. Dort erklärt er mir anhand meiner Werte, wie es um mich steht und welche weiteren Schritte ich gehen muss.

Ich bin sehr gespannt und freue mich auf das Gespräch! Es kann nun nur noch besser werden!

Bei meiner Freundin diagnostizierte er ebenfalls sehr Erstaunliches und es fiel ihr in vielen Bereichen wie Schuppen von den Augen. Sie bekam sogar einen Notfallpass ausgehändigt, den sie dringend benötigte.

Im Wartezimmer kamen wir mit einer Dame ins Gespräch, die eine 20-jährige Leidensgeschichte hinter sich hatte und von einem zum nächsten Arzt rannte. Nach nunmehr als 20 Jahren geht es ihr das ERSTE Mal besser und sie kann wieder arbeiten gehen und das hat sie diesem Doktor zu verdanken, der den Patienten als Mensch betrachtet, hinter der Fassade schaut, nachfragt und nicht als einzigen Wert sieht! Diese Geschichte des Lebens ist so unbegreiflich wie unfassbar! Aber das ist ein nächster Blogeintrag.

Dieser Doktor ist übrigens Dr. Völker in Osnabrück! Facharzt für Innere Medizin.

3 Gedanken zu „Ein Lichtblick?

  1. Wow, hast du den Link des Blogs mal an seine Praxis gesendet? Ich denke, eine höhere Anerkennung als einen glücklichen Patienten kann es nicht für ihn geben. Er kann sie nicht alle heilen, aber er kann allen dieses Gefühl geben, dass er dir vermittelt hat. Ich freue mich sehr für dich und hoffe, du findest mit FT 1, 2, 3, und wie sie alle heißen, bald deinen Frieden 🙂 Ich liebe deinen Blog, lerne sehr viel und finde das alles so unglaublich mitreißend und spannend! <3

    1. Hmmm, ist vielleicht eine Überlegung wert. Ich warte noch die Ergebnisse ab und schaue mal 🙂

      Danke Dir für Dein Feedback, das tut immer sehr gut! Es ist spannend, wer mich mittlerweile alles auf diesen Blog anspricht. Menschen, von denen ich das überhaupt nicht erwartet hätte. Das zeigt mir, dass nun einige mehr wissen, dass es Hashimoto gibt und ich einen kleines Ziel schon erreicht habe. Irgendwann gehts dann ins Radio und Fernsehen 😛

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